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Rat für Angehörige und den Freundeskreis

Die Krankheit Depression kann einen Menschen völlig verändern. So ist es zum Beispiel möglich, dass Ihre früher lebenslustige Partnerin oder Ihr früher ganz aktiver Partner auf einmal schwunglos wird, an Schuldgefühlen, innerer Leere und Hoffnungslosigkeit leidet. In ihrer Hilflosigkeit gegenüber der Depression entwickeln Angehörige oft selbst Schuldgefühle oder gar Ärger über die Erkrankten. Hält die depressive Phase länger an, können sich auch bei den Angehörigen Überlastung und Erschöpfung einstellen, weil sie der Patientin oder dem Patienten eine Vielzahl alltäglicher Aufgaben abnehmen müssen. Selbsthilfegruppen für Angehörige können für die betroffenen Familienmitglieder eine wichtige Hilfe sein.
Die folgenden Ratschläge gelten insbesondere für Angehörige von schwer Depressiven.

Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung!

Depressionen sind ernstzunehmende Erkrankungen wie andere Erkrankungen auch. Sie beeinträchtigen nicht nur die Stimmung, sondern das gesamte Erleben und Verhalten der oder des Erkrankten. So werden fast immer auch der Schlaf, der Appetit und die Sexualität beeinträchtigt. Als Ursache hierfür werden u.a. Veränderungen in den Botenstoffen zwischen den Nervenzellen im Gehirn diskutiert.

Holen Sie ärztlichen Rat ein!

Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Sie so schnell wie möglich ärztlichen Rat einholen. Ergreifen Sie die Initiative und vereinbaren Sie für die Kranke oder den Kranken einen Arzttermin. Da depressive Menschen häufig die Schuld für ihr Befinden bei sich selbst suchen und nicht an eine Erkrankung denken, halten sie einen Arztbesuch oft nicht für nötig. Weil Hoffnungslosigkeit zur Depression gehört wie Schnupfen zur Grippe, glauben viele Depressive auch nicht, dass ihnen überhaupt geholfen werden kann. Auch fehlt vielen Depressiven die Kraft, sich zu einem Arztbesuch aufzuraffen. Daher ist die Unterstützung der Angehörigen beim Gang zur Ärztin oder zum Arzt oft sehr wichtig.

Bleiben Sie geduldig!

Viele Depressive äußern Klagen und Verzweiflung, oft ziehen sie sich auch von ihrer Umwelt zurück. Zeigen Sie Geduld mit der Patientin bzw. dem Patienten; erinnern Sie sie bzw. ihn stets daran, dass die Depression eine Erkrankung ist, die vorübergeht und sich gut behandeln lässt. Versuchen Sie nicht, die Erkrankte oder den Erkrankten von der Grundlosigkeit ihrer oder seiner Schuldgefühle zu überzeugen. Lassen Sie sich nicht auf Streit darüber ein, ob die negative Sichtweise "objektiv" gerechtfertigt sei oder nicht. Beides wird keinen Erfolg bringen.
Tun Sie die körperlichen Missempfindungen und Krankheitsängste der oder des Depressiven nicht als übertrieben oder "nur psychisch bedingt" ab, denn depressive Menschen dramatisieren ihr Erleben nicht. Es ist die Depression, die auch leichte Schmerzen oder Missempfindungen ins kaum Erträgliche steigert.
Wenden Sie sich nicht von Ihrer oder Ihrem erkrankten Angehörigen ab, auch wenn sie oder er Ihnen noch so abweisend erscheint.

Überfordern Sie sich nicht!

Ist jemand über Monate hinweg depressiv, belastet die Krankheit sicher auch Sie als Angehörige bzw. Angehörigen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Grenzen Ihrer Belastbarkeit kennen und Ihre eigenen Interessen nicht aus den Augen verlieren. Tun Sie sich öfter etwas Gutes, pflegen Sie die Kontakte im Freundeskreis. Bauen Sie zu Ihrer Unterstützung ein Netzwerk von Freunden und Bekannten auf oder organisieren Sie sich auf andere Weise Hilfe. Sozialpsychiatrische Dienste und Tagesstätten für psychisch kranke Menschen bieten neben anderen Institutionen des psychiatrischen Versorgungssystems Hilfe, Beratung und Betreuung für Angehörige und ihre erkrankten Familienmitglieder.

Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen!

Es hat keinen Sinn, einem depressiven Menschen zu raten, abzuschalten und für ein paar Tage zu verreisen, denn eine fremde Umgebung verstört die Patientin bzw. den Patienten meist zusätzlich. Raten Sie einem depressiven Menschen auch nicht, "sich zusammenzunehmen" - ein depressiver Mensch kann diese Forderung nicht erfüllen. Dieser Ratschlag verstärkt möglicherweise sogar seine Schuldgefühle. Gleiches gilt für Versuche der Aufmunterung. Dagegen sollten Sie eine angehörige Person immer dann unterstützen, wenn sie Eigeninitiative zeigt.

Treffen Sie keine wichtigen Entscheidungen!

Machen Sie sich immer bewusst, dass Depressive die Realität in vielen Punkten durch die "depressive Brille", das heißt verzerrt sehen und deshalb Entscheidungen treffen können, die sie nach überstandener Krankheit vielleicht ganz anders bewerten. Berücksichtigen Sie dies in allen Angelegenheiten, die die private oder berufliche Zukunft betreffen.
Für Betroffene und Angehörige ist es wichtig, sich durch Bücher oder Videos frühzeitig und umfassend über die Erkrankung zu informieren.

Besuchen Sie Angehörigen-Gruppen

Wenn ein Familienmitglied unter einer psychischen Erkrankung leidet, sind die Angehörigen vielfach ebenfalls betroffen. Sie übernehmen wichtige Aufgaben bei der Versorgung des kranken Menschen und müssen selber Wege finden, mit der oft belastenden Lebenssituation umzugehen. Selbsthilfegruppen für Angehörige können hier eine wichtige Unterstützung darstellen.

Seien Sie achtsam im Umgang mit suizidalen Menschen

Welche Alarmzeichen sollte man ernstnehmen?

Suiziddrohungen und -ankündigungen
Das Vorurteil, dass sich ein Mensch, der von Selbstmord spricht, nichts antut, ist falsch.

Große Hoffnungslosigkeit und Äußerungen wie:
„Es hat ja doch alles gar keinen Sinn mehr...“, „Irgendwann muss auch mal Schluss sein...“, „Es muss jetzt was passieren...“ sind bei depressiven Menschen ein Hinweis auf ernste Gefährdung.

Angelegenheiten ordnen, Abschied nehmen
Viele Menschen möchten vor einem Suizid ihre Angelegenheiten ordnen. Beispielsweise verschenken sie Wertgegenstände, setzen ihr Testament auf oder verabschieden sich von ihren Freunden und Verwandten. Wer fest zum Suizid entschlossen ist, wirkt oft ruhiger, gefestigter und weniger verzweifelt. Die Mitwelt kann zu dem trügerischen Schluss kommen, es gehe endlich wieder aufwärts mit dem depressiven Menschen.

Was können Sie tun, wenn Sie einen akut suizidgefährdeten Menschen kennen?

Sprechen Sie das Thema an!
Wenn Sie den Verdacht hegen, dass eine Freundin, ein Freund oder eine angehörige Person suizidgefährdet ist, sollten Sie sie oder ihn in ruhiger und sachlicher Weise direkt darauf ansprechen. Die Befürchtung, man könne dadurch den Suizid erst provozieren, ist falsch.
In aller Regel stellt es für einen suizidgefährdeten Menschen eine Entlastung dar, mit einer anderen Person über die quälenden Gedanken sprechen zu können.

Versuchen Sie, professionelle Hilfe hinzuzuziehen!
Unterstützen Sie die betroffene Person dabei, professionelle Hilfe zu suchen. Dies kann eine Ärztin oder ein Arzt, eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut oder eine Klinik sein.

Sorgen Sie für den Menschen!
Zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie ganz für ihn da sind. Übernehmen Sie in der akuten Situation Verantwortung für den anderen. Begleiten Sie die gefährdete Person in die Arztpraxis oder in die Klinik. Nachts kann das die psychiatrische Notfallambulanz sein, aber auch der ärztliche Notdienst.

Das Wichtigste bei akuter Suizidalität ist, nicht alleine in der aussichtslos erscheinenden Situation zu bleiben, sondern sich trotz oft vorhandener Scham- und Schuldgefühle einer anderen Person anzuvertrauen.

Wenn ein Mensch unmittelbar von Suizid bedroht ist, er aber in keiner Weise mehr über ein Gespräch erreichbar ist und nicht bereit ist gemeinsam Hilfe aufzusuchen, so sollten Notarzt und Polizei verständigt werden (Notruf 110).

Das wichtigste ist Zeitgewinn, da der Wunsch zu sterben fast immer nur ein vorübergehender Zustand ist und auch bei schwierigen Lebenssituationen meist der Lebensmut zurückkehrt.